Japanese Breakfast – For Melancholy Brunettes (& sad women)

Kategorie: Albums, Folk, Klangbonbons

KLANGSTART: März 2025

Traurigkeit ist zwar der dominierende emotionale Ton dieser neuen Platte von JAPANESE BREAKFAST, aber es ist Traurigkeit in einer verfeinerten Form: die nachdenkliche, vorausschauende Traurigkeit der Melancholie, in der die Erkenntnis des im Wesentlichen tragischen Charakters des Lebens mit Sensibilität für seine flüchtige Schönheit einhergeht.

Der eröffnende Track von Japanese Breakfast’s Album „Jubilee“ (2021) zeigte Frontfrau Michelle Zauner auf dem Gipfel ihres künstlerischen Schaffens und fragte: „How’s it feel to stand at the height of your powers / To captivate every heart?“ Jetzt, fast vier Jahre später, eröffnet die amerikanische Künstlerin ihr viertes Album mit dem Trost in der Dunkelheit. Der Optimismus und die Pracht von „Jubilee“ verflüchtigen sich in einem sanften, kosmischen Dunst, während sie singt: „Life is sad but here is someone.“ Im sinnlichen „Here Is Someone“ fällt ein Streicherchor – mit indonesischem Gamelan und hindustanischer Sarod – sanft wie ein zarter Regen. 

Die Single „Orlando in Love“, eine Ode an die 68,5 epischen Gesänge des Renaissancedichters Matteo Maria Boiardo, erklingt zwischen leuchtenden Cellostreichern im zeremoniellen Tempo eines Gesellschaftstanzes, während Zauner die Geschichte eines verliebten Dichters erzählt, der auf See umkommt, vom Ruf einer Sirene in den Tod gelockt. Während Michelle’s Stimme, umgeben von satten Streichern, durch den Track wandert, entsteht eine magische Atmosphäre mit Verzierungen der großen Harfe. Es ist ein wahres Märchen. Das Album ist zudem von einem Gefühl der Reise getragen, das sich von der Fixierung auf Freude und Befreiung auf „Jubilee“ (und von der Trauer, die seine Vorgänger prägte) unterscheidet.

„For Melancholy Brunettes (& sad women)“ wirkt durchweg wie ein Sprung in musikalischer Reife und zugleich wie eine Reminiszenz an das klassische japanische Frühstück; ihr betäubend trauriger Song „Boyish“ (von „Soft Sounds from Another Planet“ aus dem Jahr 2017) könnte so etwas wie eine Großmutter dieses Albums sein und ihr Talent für das Schreiben brillanter, niedergeschlagener Songs untermauern. Und obwohl diese Platte die Melancholie feiert, gibt es dennoch optimistische Momente – nehmen wir zum Beispiel „Picture Window“, das einen Country-artigen Ansatz mit tuckerndem, güterzugartigem Schwung verfolgt. 

Das unerwartete Duett „Men In Bars“ lässt die herzzerreißenden Szenen aus Country-Balladen lebendig werden. Michelle’s Gesang vereint sich mit dem von Jeff Bridges und entfaltet ein emotional raues Timbre. Im Schlussstück „Magic Mountain“ thematisiert sie den Narzissmus, der mit dem Musikschreiben einhergeht („Bury me beside you, in the shadow of my mountain“). Für sie fühlt sich jedes Werk wie das Erklimmen eines Berges an, doch vom Standpunkt von „For Melancholy Brunettes (& sad women)“ aus blickt sie in die Zukunft.

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Japanese Breakfast – For Melancholy Brunettes (& sad women)

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